Tierhaltung

Brandbrief zur Tierhaltung

Friedrich Ostendorff, Mitglied des Deutschen Bundestages stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft und Sprecher für Agrarpolitik der Fraktion von Bündnis 90/ Die Grünen schreibt einen Brandbrief an Minister Schmidt:  

 

Friedrich Ostendorff Mitglied des Deutschen Bundestages stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Ernährung und Landwirtschaft Sprecher für Agrarpolitik der Fraktion von Bündnis 90/ Die Grünen

Brandbrief zur Entwicklung der Tierhaltung in Deutschland 

Sehr geehrter Herr Bundesminister,
Die Tierhaltung in Deutschland ist im Umbruch. In naher Zukunft müssen Entscheidungen getroffen und die daraus folgenden Entwicklungen gesteuert werden. Die Stimmung unter den Bäuerinnen und Bauern ist schlecht. In einer nicht repräsentativen Umfrage bekannten 63 Prozent der Bauern, die wachsende gesellschaftliche Kritik an der Landwirtschaft habe sie ent-täuscht und ihnen den Spaß an der Arbeit genommen.
Ein Weiter so wird es nicht geben. Ein Ignorieren der bestehenden Missstände im Tierschutz, im Umweltschutz und in der Wertschöpfung und ein Beharren auf Fortführung des bestehenden Systems sind der falsche Weg.
Die Skepsis auf Seiten der Landwirte gegenüber freiwilliger Initiativen des Handels und gegenüber diffus auftretender Anforderungen verschiedener Ministerien muss als Indikator für ein grundsätzliches Problem wahrgenommen werden.
Die Herausforderungen, vor denen die Landwirtschaft im Allgemeinen und die Tierhaltung im Speziellen stehen, sind zahlreich und vielschichtig. Der Klimawandel, der Schutz der Gewäs-ser, der Erhalt der Biodiversität und die Verbesserung des Tierschutzes sind nur einige davon. Darüber hinaus kommt der Landwirtschaft eine zentrale Rolle für den Erhalt des Wohlstandes, der gesellschaftlichen Stabilität und regionalen Identität zu.
Lösungen werden sich nicht durch scheuklappenbewehrtes Augen zu und durch finden lassen. Das Ziel muss eine standortangepasste, rentable, umweltschonende und tiergerechte Tierhaltung sein. Es bedarf einer zukunftsorientierten, ethisch und ökonomisch durchdach-ten Strategie, um dieses Ziel zu erreichen. Wir von Bündnis 90/ Die Grünen fordern Sie auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen und ein Leitbild und eine Strategie für die Tierhaltung in Deutschland zu entwickeln. Folgende Fragestellungen müssen darin beantwortet werden, um den Bäuerinnen und Bauern eine verlässliche Perspektive aufzuzeigen und die Weiterentwicklung hin zu einer fairen Tierhaltung zu ermöglichen:
 Wie kann die Wertschöpfung in der Tierhaltung erhalten und gesteigert werden, da eine Reduktion der Tierzahlen aus klimapolitischer und emissionsreduzierender Sicht notwendig ist?
 Wie sollen sich die tierhaltenden Betriebe unter Ihrer politischen Verantwortung au-stellen, um nicht zwischen den umweltpolitischen und gesellschaftlichen Anspr-chen aufgerieben zu werden?
 Welche Entwicklungsperspektiven können Sie den Betrieben jenseits von Expansion und Aufstockung der Tierbestände anbieten?
 Welche Konzepte haben Sie, um die vielfältigen Anforderungen an Landwirtschaft, Tierschutz, Naturschutz und Klimaschutz nicht weiterhin gegeneinander auszuspi-len, sondern zu bündeln und gemeinsam zu einer Lösung zu führen?
Mit freundlichen Grüßen

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