Atommüll-Lager in Ahaus

Auf der KMV des KV Borken am 23.02.2019 hat uns Wibke Brems, die Landtagsabgeordnete und energiepolitische Sprecherin der Grünen im Landtag NRW, ausführlich und spannend auf den aktuellen Stand bezüglich der Lage zum Atommüll in Ahaus gebracht.

Hierzu nahmen auch Hartmut Liebermann, Theo Schwarte und Felix Ruwe von der BI Ahaus Stellung und ergänzten mit ihren Beiträgen die von Wibke Brems vorgetragenen Fakten.

Das von Arno Heipel erstellte Positionspapier zum Atommüll-Lager in Ahaus wurde einstimmig von der Versammlung bestätigt wie folgt:

Die Grünen im Kreisverband Borken lehnen die Einlagerungsverlängerung für schwach- und mittel­aktiven Müll im Atommüll-Zwischenlagers Ahaus ab. Mit der Verlängerung bis 2057 wird aus dem Zwischenlager ein provisorisches Endlager.

Das Atommüll-Zwischenlager in Ahaus ist eines der ältesten Zwischenlager in Deutschland; es besteht seit 1990.

Nach jetzigem Stand dürfen in Ahaus befristet gelagert werden:

  • Schwach- mittelradioaktive Abfälle bis 2020
  • Hochradioaktive Abfälle bis 2036

Nach neuen Planungen der Betreiber sollen in Ahaus eingelagert werden:

  • Schwach- mittelradioaktive Abfälle bis 2057
  • Hochradioaktive Abfälle genehmigt bis 2036, von einer längeren Einlagerung ist auszugehen (Planungen für die Endlagersuche)

Wohin mit dem Atommüll?

Ursprünglich war geplant, den schwach und mittelradioaktiven Müll ab 2014 im Schacht Konrad in Niedersachen endzula­gern. Nach mehrfachen Verschiebungen ist die Inbetriebnahme jetzt für 2027 geplant. Ob das Endlager dann oder überhaupt jemals in Betrieb geht, ist unsicher

Es ist ausgeschlossen, dass bis 2036 ein Endlager für hochradioaktiven Müll in Betrieb geht[1]. Optimis­ten erwarten eine Inbetriebnahme frühestens in den 50er Jahren. Die Einlagerung des gesamten Atom­mülls aus Deutschland wird weitere Jahrzehnte dauern. Selbst nach dieser Variante werden also Zwi­schenlager noch Jahrzehnte gebraucht, wofür sie nicht ausgelegt sind. Die meisten Fachleute bezwei­feln, dass dieser Zeitplan eingehalten werden kann.

Das Zwischenlager in Ahaus soll nach vor kurzem bekannt gewordenen Planungen bis 2057 weiter be­trieben werden – theoretisch ab 2036 nur noch für schwach und mittelradioaktives Material. Bei der Endlager-Perspektive für hochradioaktiven Müll ist zu befürchten, dass auch die Castoren mit hochra­dioaktivem Müll dann länger bleiben werden. Zwischenlager Ahaus wird damit zu einem provisori­schen Endlager.

Wie wird der Atommüll in Ahaus gelagert?

Der Atommüll lagert in Ahaus im Prinzip in einer normalen Lagerhalle in Leichtbauweise, in der die Behälter vor Wind und Wetter schützt und gut bewacht sind – mehr nicht. Die Wände der Lagerhalle haben eine Stärke von 50 cm im unteren Bereich, im oberen 20 cm, in der Decke 20 cm[2].

Bei der Einrichtung des Zwischenlagers wurden 40 Jahre Laufzeit zugrunde gelegt. Diesen Zeitraum hat auch die damalige Reaktorsicherheitskommission wissenschaftlich bewertet. Das Gebäude ist auf 40 Jahre ausgelegt, ebenso die Castor-Behälter.

Für eine längere Nutzung muss die Einlagerung in Ahaus neu bewertet werden. Dabei müssen die Cas­torbehälter geöffnet, der Inhalt kontrolliert und ggf. umgepackt werden. In Ahaus gibt es keine heiße Zelle, die dazu nötig ist, deren Einrichtung in Ahaus ist vertraglich ausgeschlossen.

 

Auf Ahaus kommt weitere brisante Fracht zu:

Aus Jülich sollen Kugel-Brennelemente des AVR Versuchsreaktors eingelagert werden. Der Zustand der Brennelemente ist in der Vergangenheit nicht ordnungsgemäß dokumentiert worden. Es lässt sich nicht mit Sicherheit beurteilen, was sich in den Behältern befindet.

Aus Garching sollen Brennelemente des Forschungsreaktors FRM II angeliefert werden, die Brennele­mente haben einen Anreicherungsgrad von 87 % (normale Brennelement haben 1-2%). Der Inhalt ei­nes Garchinger Castorbehälters reicht aus, um 5 Hiroshima-Bomben zu bauen. Damit handelt es sich nicht um „normalen“ Atommüll, sondern um atomares Waffenmaterial, für das andere Vorkehrungen und Lagerungsbedingungen gelten (sollten).

Bis zur Abschaltung des letzten Kernkraftwerks in Deutschland 2022 entsteht weiterer Atommüll ohne zu wissen wo er endgelagert werden soll.

Hinzu kommt, dass die Urananreicherungsanlage in Gronau und die Brennelementefabrik in Lingen auch nach dem Atomausstieg weiter produzieren können – unbefristet.

Wir fordern:

  • Schließung des Atommüll-Lagers in Ahaus 2036 – auch für schwach- und mittelradioaktives Material.
  • Sofortige Entwicklung von Konzepten für eine Langzeitzwischenlagerung nach 2036.
  • Zwischenlager müssen dem aktuellen Stand der Technik entsprechen und ggf. nachgerüstet werden, die Sicherheit des Lagers muss nach aktuellen Erkenntnissen bewertet und fortlau­fend angepasst werden (Stichwort Gefahr von Terroranschlägen)
  • Keine weiteren Atommüll-Transporte nach Ahaus ohne Gewähr, dass das eingelagerte Mate­rial spätestens 2036 Ahaus wieder verlassen kann, stattdessen Entwicklung von Konzepten zur sicheren Zwischenlagerung bei den Atomeinrichtungen vor Ort.
  • Keine Transporte hochangereicherter atomwaffenfähiger Brennelemente aus Garching nach Ahaus. Stattdessen Abreicherung und endlagerungsfähige Verpackung der Brennelemente vor Ort
  • Keine Transporte der unkalkulierbaren Brennelemente aus Jülich nach Ahaus. Stattdessen Bau einer erdbebensicheren Lagerhalle, endlagerungsfähige Aufbereitung der Brennelemente vor Ort
  • Rechtssichere Schließung der UAA in Gronau und der Brennelementefabrik in Lingen nach dem Atomausstieg Soziale Folgen der Schließung für die Mitarbeiter und die betroffenen Kommu­nen werden abgefedert (Vorschläge der Kohlekommission zum Kohleausstieg)
  • Eine vergleichende Endlagersuche für hochradioaktiven Atommüll in ganz Deutschland.
  • Eine Lösung für die Endlagerung der schwach- und mittelradioaktiven Abfälle aus der maroden Schachtanlage Asse und aus der Urananreicherung in Gronau.

Die Grünen im Kreisverband Borken unterstützen die Sammeleinwendungen der BI „Kein Atommüll in Ahaus“ gegen die Lagerzeit-Verlängerung in Ahaus und rufen dazu auf, sich an der großen Anti-Atom-Demo am 9. März in Ahaus (Auftakt um 12 Uhr am Ahauser Bahnhof) zum Fukushima-Jahrestag zu beteiligen. Wir wollen ein starkes Zeichen für den sofortigen und umfassenden Atomausstieg sowie gegen die jetzigen Atommüllpläne setzen.

 

[1] Die Pläne nach dem Standortauswahlgesetz sehen vor, dass bis 2031 ein Standort ausgewählt werden soll

[2] Die offizielle Bezeichnung für das Zwischenlager ist Transportbehälterlager Ahaus.

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